"Rechne nur mit Geld, das Du auch wirklich hast", sagte mein Vater immer. Er muss es wissen, schließlich hatte er nie welches. Zumindest bekam ich immer "ich hab kein Geld" zu hören, wenn ich mal wieder neue Turnschuhe wollte, ein Eis essen wollte, unbedingt das coole T-Shirt brauchte, o.ä.
Natürlich war das Geld da, aber mein Vater war schon immer ein kühler Rechner. Ich leider nicht. Und so kam es, dass ich mich leider hoffnungslos überschuldete. So stark, dass ich ohne seinen Kredit vermutlich hätte die eidesstattliche unterschreiben müssen.
Ich habe jahrelang abbezahlt, anfangs noch in DM, später dann in Euro. Monatlich eine Summe, deren Höhe mir jedes Mal weh tat. Jeden Monat wurde eine dreistellige Summe von meinem Konto abgebucht. Einfach so. Für dumme Jugendsünden.
Trotz dieser Ratenzahlungen habe ich es irgendwann geschafft, zusätzlich weiter Geld zur Seite zu legen. Anfangs ganz kleine Summen, später dann größere. Auch heute noch leere ich jeden Abend mein Portemonnaie und stecke sämtliche Münzen kleiner als ein Euro in meine Spargiraffe. Und freu mich jeden Monat, was da so zusammenkommt.
Seit Ende Mai nun bin ich komplett schuldenfrei. Ein irres Gefühl. Seitdem landet jeden Monat die gleiche Summe, die vorher an meinen Vater ging, im Sparstrumpf. Für schlechte Zeiten, meine Altersvorsorge, für die kaputte Waschmaschine, für schöne Dinge.
Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein. Und ich bin offensichtlich nicht allein.
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